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Bonitätsranking 2026: Reichersberg ist Oberösterreichs Nummer 1 – und Taiskirchen?

Das KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung hat am 22. Oktober sein 15. Bonitätsranking veröffentlicht. Österreich-Sieger ist erstmals Tweng in Salzburg, in Oberösterreich liegt mit Reichersberg eine Gemeinde aus unserem Bezirk Ried ganz vorne. Ein Blick in Reichersbergs Rechnungsabschluss zeigt, woran das liegt – und warum das Ranking vor allem eines misst: die Einnahmenkraft einer Gemeinde.

26. Oktober 2026 · aktualisiert am 2. November 2026 · Lesezeit ca. 6 Minuten
2.092
Gemeinden bewertet
250
veröffentlicht (≈ 12 %)
2,29
Note für Top 250 nötig
2022–24
Datenbasis Rechnungsabschlüsse

Das Podium 2026

Die Salzburger Gemeinde Tweng holt sich erstmals den ersten Platz. Dahinter folgen Parbasdorf in Niederösterreich und – wie schon öfter in den vergangenen Jahren – Niederndorf in Tirol.

Platz 2
Parbasdorf
Niederösterreich
Platz 1
Tweng
Salzburg
Platz 3
Niederndorf
Tirol

Salzburg ist insgesamt das stärkste Bundesland: Rund drei von zehn Salzburger Gemeinden liegen im besten Zehntel Österreichs, unter den ersten 50 Plätzen stammen 14 Gemeinden aus Salzburg. Das KDZ führt das auf hohe Einnahmen aus Ertragsanteilen und eigenen Steuern, Bevölkerungszuwachs und eine geringer gestiegene Transferbelastung zurück.

Die Bundeslandsieger

BundeslandBestplatzierte GemeindeAnmerkung
SalzburgTwengauch Österreich-Sieger
NiederösterreichParbasdorfÖsterreich-Platz 2
TirolNiederndorfÖsterreich-Platz 3
OberösterreichReichersbergBezirk Ried im Innkreis
SteiermarkPeggau
VorarlbergReuthe
BurgenlandBadersdorf
KärntenSchiefling am Wörtherseewie schon 2025

Ein Erfolg für das Innviertel

Dass mit Reichersberg eine Gemeinde aus dem Bezirk Ried die oberösterreichische Wertung anführt, ist bemerkenswert. Noch 2024 war der Bezirk mit nur zwei Gemeinden (Geinberg und Gurten) in den Top 250 vertreten, nachdem Geinberg 2021 sogar Österreich-Dritter gewesen war. 2025 waren es dann wieder fünf Rieder Gemeinden: Geinberg, Gurten, Reichersberg, St. Martin im Innkreis und Mettmach.

Oberösterreich selbst liegt im Bundesländervergleich im Mittelfeld: Die Gemeinden verteilen sich laut KDZ ziemlich genau zur Hälfte auf die obere und die untere Hälfte der Rangliste.

Reichersberg im Detail: der Rechnungsabschluss 2025

Wie komfortabel die Lage des Landessiegers ist, zeigt der Rechnungsabschluss 2025. Reichersberg hat 1.665 Einwohnerinnen und Einwohner – gemessen daran sind die Zahlen gewaltig:

5,44 Mio. €
Rücklagen gesamt
≈ 3.265 € je Einwohner
4,36 Mio. €
davon zur freien Verfügung
rund 80 % der Rücklagen
650.875 €
Überschuss 2025
zur Gänze der Rücklage zugeführt
19,79 Mio. €
Nettovermögen
≈ 11.885 € je Einwohner
226.086 €
zusätzlich getilgte Darlehen
im Jahr 2025
503.678 €
Schulden – nur Kanal/Wasser
≈ 303 € je Einwohner

Bemerkenswert ist vor allem die Schuldenseite: Die verbliebenen Darlehen betreffen ausschließlich Kanal und Wasser – also Bereiche, die über Gebühren refinanziert werden. Der allgemeine Haushalt ist damit praktisch schuldenfrei, gleichzeitig liegen mehr als vier Millionen Euro frei verfügbar auf der Seite.

Hinweis: Das Ranking 2026 beruht auf den Jahren 2022 bis 2024. Der Rechnungsabschluss 2025 fließt erst in künftige Rankings ein – er bestätigt aber das Bild, das die Platzierung zeichnet.

Der eigentliche Unterschied: die Kommunalsteuer

Woher kommt dieser Spielraum? Ein Blick auf die Einnahmenseite beantwortet die Frage ziemlich eindeutig. Reichersberg nahm 2025 3.061.211 € an Kommunalsteuer ein. Taiskirchen kam im selben Jahr auf 362.300 €.

8,4× so viel Kommunalsteuer in Reichersberg wie in Taiskirchen – das sind rund 1.840 € je Einwohner und Jahr.

Die Kommunalsteuer beträgt 3 % der Lohnsumme, die Betriebe für ihre Beschäftigten im Gemeindegebiet zahlen. Sie hängt also fast ausschließlich davon ab, welche Arbeitgeber in einer Gemeinde angesiedelt sind – und nicht davon, wie viele Menschen dort wohnen. Ein Teil davon fließt über finanzkraftabhängige Umlagen wieder ans Land ab, der Großteil bleibt aber in der Gemeinde.

Warum das im Ranking so stark durchschlägt: Alle fünf Kennzahlen des KDZ-Quicktests hängen am Überschuss des laufenden Haushalts. Jeder zusätzliche Euro Kommunalsteuer steht ohne Gegenleistung auf der Einnahmenseite – er erhöht unmittelbar Sparquote, freie Finanzspitze und Eigenfinanzierungsquote und verkürzt rechnerisch die Verschuldungsdauer. Eine Differenz von rund 2,7 Millionen Euro pro Jahr lässt sich durch noch so sparsame Haushaltsführung nicht wettmachen.

Das Beispiel zeigt, was hinter dem Ranking steckt: Es bildet in erster Linie die Einnahmenkraft einer Gemeinde ab – und die hängt stark am Wirtschaftsstandort. Sorgfältiges Wirtschaften bleibt wichtig, Unterschiede in dieser Größenordnung entstehen aber nicht in der Haushaltsführung, sondern auf der Einnahmenseite. Eine Gemeinde ohne große Betriebe kann vorbildlich haushalten und trotzdem nie in die Nähe der Spitzenplätze kommen.

Die Hürde wird immer niedriger – und das ist kein gutes Zeichen

Bewertet wird nach dem Schulnotenprinzip: je niedriger die Note, desto besser. Um es unter die besten 250 zu schaffen, reichte heuer eine Note von 2,29. Ein Jahr zuvor brauchte es noch 2,00, im Ranking 2024 sogar 1,89. Die Gemeinden sind also nicht besser geworden – das gesamte Feld ist schlechter geworden.

Als Gründe nennt das KDZ vor allem die Inflation, die steigenden Transferzahlungen an die Länder und immer mehr Aufgaben für die Gemeinden. Selbst ein guter Rang bedeutet daher nicht automatisch viel Spielraum – entscheidend ist, ob nach dem laufenden Betrieb noch Geld für Investitionen übrig bleibt.

Warum es oberösterreichische Gemeinden schwerer haben

Ein großer Faktor sind die Umlagen, die Gemeinden an das Land abführen müssen (Krankenanstalten-, Landes- und Sozialhilfeumlage). Hier gibt es enorme Unterschiede zwischen den Bundesländern:

Oberösterreichs Gemeinden zahlen mit 841 Euro je Einwohner deutlich mehr als jene in der Steiermark (474 €) oder im Burgenland (485 €). Dieses Geld fehlt im eigenen Budget – unabhängig davon, wie sparsam eine Gemeinde wirtschaftet. Gemeinden mit hoher Kommunalsteuer können diese Last leichter tragen; für alle anderen wiegt sie umso schwerer.

Was das Ranking eigentlich misst

Wichtig zur Einordnung: Das Ranking zeigt nicht, wie „reich“ eine Gemeinde ist, sondern wie viel finanziellen Spielraum sie hat. Grundlage ist der KDZ-Quicktest mit fünf Kennzahlen aus den Rechnungsabschlüssen:

  • Öffentliche Sparquote – wie viel vom laufenden Haushalt übrig bleibt
  • Freie Finanzspitze – was nach Tilgungen für Neues verfügbar ist
  • Eigenfinanzierungsquote – wie weit Ausgaben aus eigener Kraft gedeckt sind
  • Verschuldungsdauer – wie viele Jahre die Schuldentilgung theoretisch dauern würde
  • Schuldendienstquote – welcher Anteil der Einnahmen für Zinsen und Tilgung draufgeht

Jede Kennzahl ergibt Punkte nach einem Notenschlüssel, daraus entsteht pro Jahr eine Gesamtnote. Der Durchschnitt der drei Jahre 2022 bis 2024 ist der Bonitätswert. Ein einzelnes Jahr mit großen Investitionen – etwa ein Schul- oder Kanalbau – kann eine Gemeinde daher spürbar zurückwerfen, obwohl sie solide wirtschaftet.

Nicht berücksichtigt wird, woher der Spielraum kommt. Ob eine Gemeinde ihn durch Sparsamkeit erarbeitet oder ob ihn ein großer Betrieb über die Kommunalsteuer mitbringt, macht für die Note keinen Unterschied – wie das Beispiel Reichersberg zeigt, ist Letzteres meist der entscheidende Faktor.

Quellen

  1. KDZ-Blog: Bonitätsranking – Die TOP 250 Gemeinden 2026
  2. KDZ-Presseaussendung vom 22.10.2026
  3. gemeinderanking.at – vollständige Top-250-Liste
  4. MeinBezirk Ried: Fünf Rieder Gemeinden in den Top 250 (2025)
  5. Tips Ried: Keine Spitzenplätze mehr für Innviertler Gemeinden (2024)
  6. Rechnungsabschluss 2025 der Gemeinde Reichersberg (Rücklagen, Nettovermögen, Schuldenstand, Kommunalsteuer)
  7. Rechnungsabschluss 2025 der Marktgemeinde Taiskirchen im Innkreis (Kommunalsteuer)